Fassadenplatten erkennen
Zwei Bauformen dominieren. Kleinformatige Schindeln, meist quadratisch oder rautenförmig, wurden überlappend auf einer Holzunterkonstruktion befestigt – typisch für Giebel, Wetterseiten und Nebengebäude. Großformatige Platten kamen an ganzen Fassadenflächen zum Einsatz, häufig an Bauten der öffentlichen Hand, Schulen und Wohnblocks.
Beide bestehen aus Faserzement. Bei Baujahren vor 1993 ist von Asbest auszugehen. Die Oberflächen sind oft eingefärbt oder beschichtet, was die Alterung anfangs verdeckt: Erst wenn die Beschichtung abplatzt, wird die raue Struktur darunter sichtbar.
Was hinter der Verkleidung steckt
Bei der Kalkulation macht selten die Platte den Unterschied, sondern das, was dahinter liegt. Regelmäßig finden wir alte Mineralwolle, die als KMF-Abfall entsorgt werden muss, asbesthaltige Dichtungsbahnen an Anschlüssen und Brandschutzstreifen zwischen den Geschossen.
- Mineralwolle vor 1996 ohne RAL-Gütezeichen: als krebsverdächtiger Faserstaub zu behandeln
- Dichtungsbahnen und Anschlussstreifen an Fenstern und Attika
- Faserzement-Formteile an Fensterbänken und Laibungen
- Holzunterkonstruktion, häufig mit Holzschutzmitteln behandelt
Zwei Abfallströme, ein Gerüst
Asbest und KMF müssen getrennt entsorgt werden, können aber im selben Arbeitsgang zurückgebaut werden. Das spart den zweiten Gerüstaufbau, der bei getrennter Beauftragung sonst voll anfällt.
Ablauf der Fassadensanierung
Gearbeitet wird von außen über ein Gerüst mit Staubschutznetz. Die Platten werden befeuchtet, Befestigungen gelöst statt durchtrennt und die Elemente einzeln abgenommen. Geworfen wird nichts – jede zerbrochene Platte erzeugt neue Fasern und zusätzlichen Reinigungsaufwand am Boden.
Der Bereich vor der Fassade wird abgesperrt, Fenster bleiben während der Arbeiten geschlossen. Bewohner können in aller Regel im Haus bleiben, weil bei fest gebundenem Material im Außenbereich keine Abschottung des Innenraums nötig ist. In Berliner Innenstadtlagen kommen Halteverbot, Gehwegüberbauung und Abstimmung mit Nachbarn dazu.
Neuaufbau und Dämmung
Nach dem Rückbau liegt die Konstruktion frei – der günstigste Moment für eine energetische Verbesserung. Ob hinterlüftete Fassade, Wärmedämmverbundsystem oder Putzfassade, entscheidet sich nach Bauweise, Optik und Budget. Für die Dämmung selbst greifen die üblichen Förderprogramme, die Asbestentsorgung bleibt davon ausgenommen.
Wichtig ist die Reihenfolge in der Planung: Der Förderantrag muss vor der Auftragsvergabe gestellt werden. Wer erst saniert und dann Förderung beantragt, geht leer aus.
Kosten im Überblick
| Position | Größenordnung |
|---|---|
| Rückbau und Entsorgung Fassadenplatten | 50 - 120 Euro pro m² |
| Entsorgung alter Mineralwolle (KMF) | 20 - 45 Euro pro m² |
| Gerüst mit Staubschutznetz | 10 - 18 Euro pro m² Gerüstfläche |
| Hinterlüftete Neuverkleidung | 120 - 250 Euro pro m² |
| Wärmedämmverbundsystem | 100 - 180 Euro pro m² |
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Die Spannen sind groß, weil Gebäudehöhe, Zugänglichkeit und Plattenformat stark beeinflussen, wie schnell gearbeitet werden kann. Ein freistehendes Einfamilienhaus mit erdgeschossiger Verkleidung ist etwas anderes als ein fünfgeschossiger Wohnblock in geschlossener Bebauung.
Häufige Fragen
Können Bewohner während der Fassadensanierung im Haus bleiben?
In der Regel ja. Bei fest gebundenem Material im Außenbereich genügen Absperrung, Staubschutznetz und geschlossene Fenster. Wir informieren die Bewohner vorab über Zeitraum und Verhaltensregeln.
Muss die alte Dämmung mit entfernt werden?
Meistens ja. Mineralwolle ohne RAL-Gütezeichen aus der Zeit vor 1996 gilt als krebsverdächtig und wird getrennt entsorgt. Zudem ist sie nach Jahrzehnten oft feucht oder gesackt und energetisch wirkungslos.
Kann man die Fassade einfach überbauen?
Technisch wird das gelegentlich gemacht, wir raten davon ab. Für die Befestigung der neuen Unterkonstruktion muss durch die alten Platten gebohrt werden – genau der Vorgang, der Fasern freisetzt. Zudem bleibt das Problem für die Zukunft bestehen.
Wie lange dauert eine Fassadensanierung?
Bei einem Einfamilienhaus rechnen wir für Rückbau und Entsorgung mit wenigen Tagen, der Neuaufbau kommt je nach System dazu. Bei größeren Objekten arbeiten wir abschnittsweise, damit das Gerüst wandert und die Bauzeit planbar bleibt.