Flexplatten und Cushion Vinyl erkennen
Vinyl-Asbest-Platten, umgangssprachlich Flexplatten, wurden zwischen 1960 und 1980 millionenfach verlegt. Typisch ist das Format 25 mal 25 Zentimeter, seltener 30 mal 30. Die Oberfläche wirkt leicht marmoriert, die Platten sind hart und spröde. Sie finden sich in Küchen, Bädern, Fluren, Schulen und Verwaltungsgebäuden.
Cushion-Vinyl-Bahnen, auch CV-Beläge genannt, sind weicher und wurden in Bahnen verlegt. Bei ihnen kann die untere Trägerschicht asbesthaltig sein, während die sichtbare Oberfläche unauffällig aussieht. Diese Beläge sind besonders tückisch, weil man ihnen von oben nichts ansieht.
Der schwarze Kleber darunter
Der schwarze Bitumenkleber unter alten Belägen enthält häufig Asbest, teils zusätzlich PAK aus Teerbestandteilen. Er wurde nicht nur unter Flexplatten verwendet, sondern auch unter Parkett, Linoleum und Nadelfilz. Findet sich beim Anheben eines alten Belags eine schwarze, klebrige oder harte Teerschicht, ist Vorsicht angebracht.
Die häufigste Fehleinschätzung
Ein negativer Befund für den Belag sagt nichts über den Kleber. Wir sehen regelmäßig Fälle, in denen der Belag geprüft, für unbedenklich erklärt und anschließend samt asbesthaltigem Kleber herausgerissen wurde.
Richtig beproben: alle Schichten
Ein Bodenaufbau besteht meist aus Belag, Kleber, Voranstrich und Estrich. Asbest kann in mehreren dieser Schichten stecken. Deshalb werden getrennte Proben genommen: eine vom Belag, eine vom Kleber, bei Bedarf eine vom Voranstrich auf dem Estrich.
Entnommen wird an einer unauffälligen Stelle, etwa in einer Ecke oder unter einem Möbelstück. Die Stelle wird befeuchtet, ein kleines Stück gelöst und die Fehlstelle anschließend versiegelt. Wichtig ist, dass die Probe alle Schichten mitnimmt, statt nur die Oberfläche abzuziehen.
Fachgerechte Entfernung
Weil Kleber und Voranstrich meist als schwach gebunden gelten, läuft die Sanierung im abgeschotteten Bereich: Der Raum wird staubdicht abgetrennt, unter Unterdruck gesetzt und über eine Personenschleuse betreten. Die Abluft läuft über HEPA-Filter, die angrenzenden Räume bleiben nutzbar.
- Abschottung des Arbeitsbereichs mit Unterdruckhaltung und Schleuse
- Platten einzeln lösen, nicht brechen oder aufstemmen
- Kleber mit emissionsarmen Verfahren abnehmen, nicht trocken schleifen
- Feinreinigung mit Industriesaugern der Staubklasse H
- Freimessung durch ein unabhängiges Institut vor der Freigabe
- Untergrund für den neuen Belag vorbereiten
Überbauen statt entfernen?
Ist der Belag intakt, vollflächig verklebt und soll der Raum nicht umgebaut werden, kann Überbauen eine anerkannte Lösung sein. Der alte Aufbau bleibt liegen, darüber kommt eine Ausgleichsschicht und der neue Belag. Das ist deutlich günstiger als die Sanierung.
Zwei Bedingungen gehören dazu: Es darf nicht gebohrt, gefräst oder gedübelt werden, und die Überbauung muss dokumentiert werden. Sonst öffnet der nächste Handwerker in zehn Jahren den Aufbau ohne jede Vorwarnung. Bei geplanter Fußbodenheizung oder Estricharbeiten scheidet die Lösung von vornherein aus.
Kosten
| Position | Größenordnung |
|---|---|
| Materialprobe Belag und Kleber (je Probe) | 30 - 80 Euro |
| Entfernung Belag und Kleber im Schwarzbereich | 40 - 90 Euro pro m² |
| Aufbau Abschottung und Unterdruckhaltung | 800 - 2.500 Euro je Bereich |
| Freimessung durch Messinstitut | 300 - 800 Euro |
| Überbauen mit Ausgleichsschicht | 25 - 45 Euro pro m² |
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Weil Abschottung und Freimessung unabhängig von der Fläche anfallen, sind kleine Räume anteilig teuer. Wenn mehrere Räume betroffen sind, lohnt es sich fast immer, sie in einem Zug zu sanieren statt einzeln über Jahre verteilt.
Häufige Fragen
Ist jeder schwarze Kleber asbesthaltig?
Nein, aber ein erheblicher Teil der Kleber aus der Zeit vor 1993. Ohne Analyse lässt sich das nicht unterscheiden, deshalb wird solches Material bis zum Befund wie belastet behandelt.
Darf ich Flexplatten selbst herausnehmen?
Davon raten wir ab. Selbst wenn die Platten fest gebunden sind, sitzt darunter meist der kritischere Kleber. Beim Aufstemmen brechen Platten, beim Abziehen von Klebstoffresten entsteht Staub – genau die Situation, die die Sanierung vermeiden soll.
Wie lange dauert eine Bodensanierung?
Für eine einzelne Wohnung meist zwei bis fünf Arbeitstage inklusive Aufbau der Abschottung, Rückbau, Feinreinigung und Freimessung. Der Termin der Freimessung bestimmt oft den kritischen Pfad, weil das Institut extern eingeplant werden muss.
Was passiert mit dem Estrich?
Der Estrich bleibt in der Regel liegen. Nach dem Abnehmen von Kleber und Voranstrich wird er gereinigt und für den neuen Belag vorbereitet. Nur bei tief eingezogenen Belastungen muss der Estrich selbst entfernt werden.